Als Geschäftsführerin bei einem der grössten Detailhandelskonzerne der Schweiz erlebte ich hautnah, wie meine Berufskolleginnen nach der Gründung ihrer Familie nicht mehr in ihre Kaderposition zurückkehren konnten. Anstatt ihr Potenzial weiterhin in einer Teilzeitführungstätigkeit einzubringen, arbeiteten sie als Aushilfskräfte weiter. Mit meinen damals 25 Jahren stellte ich mir oft die Frage, ob so meine Zukunft aussehen werde.
Ich war mir sicher, dass ich auch mit einer Familie einen verantwortungsvollen Beruf ausüben will. Die fehlende Perspektive im Detailhandel liess mich nach Möglichkeiten suchen, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Die Position als Geschäftsführerin aufzugeben war keine einfache Entscheidung, denn der Detailhandel ist seit meiner Kindheit meine Leidenschaft. Auch wenn sich in der Zwischenzeit meine beruflichen Schwerpunkte verlagert haben, bin ich der Branche bis heute treu geblieben.
MIT TOP-SHARING NACHHALTIG DAS POTENZIAL DER WEIBLICHEN FÜHRUNGSKRÄFTE NUTZEN
Meine persönliche Geschichte brachte mich dazu, in meiner Bachelorarbeit zu untersuchen, ob die Einführung von Top-Sharing im Detailhandel zur Stärkung des Frauenanteils auf Führungsebene beitragen kann. Dafür führte ich u.a. 22 Interviews mit Fachexperten, HR-Verantwortlichen, jetzigen und ehemaligen Geschäftsführerinnen. Alle sind sich einig: Top-Sharing erhöht nicht nur den Frauenanteil auf Führungsebene, sondern steigert auch die Attraktivität des Detailhandels. Die optimale Vereinbarung von Familie und Beruf ermöglicht es, auch mit einem Kind als Teilzeitführungskraft im Detailhandel tätig zu sein. Dieses Modell eignet sich ebenfalls für männliche oder weibliche Führungskräfte, die Kinder oder Verwandte betreuen, einem zeitintensiven Hobby nachgehen oder eine Weiterbildung absolvieren und zugleich eine verantwortungsvolle Tätigkeit wahrnehmen wollen.
UBS-NACHHALTIGKEITSPREIS
Die UBS hat meine Bachelor-Thesis an der Hochschule für Wirtschaft HWZ mit dem Preis für «Unternehmerische Nachhaltigkeit» ausgezeichnet. Besonders beeindruckt war die Jury von der Vielfalt der Befragten und dem Persona-Modell, das ich für die Detailhandelsbranche entwickelt habe. Dadurch sei der Nutzen des Top-Sharings empirisch gestützt.
CHANCEN FÜR DETAILHANDELSUNTERNEHMEN
Mit der Einführung von Top-Sharing können nicht nur die Attraktivität als Arbeitgeberin erhöht, sondern auch Wettbewerbsvorteile erzielt werden. Zudem profitiert der Detailhandel von der langfristigen Bindung von qualifizierten Führungskräften, die eine höhere Motivation und Leistungsbereitschaft bei der Arbeit zeigen. Durch die Führung im Tandem ist eine bessere Stellvertretung der Führungskräfte sichergestellt, was zu einer höheren Arbeitsqualität führt – denn nicht nur eine, sondern zwei qualifizierte Führungskräfte führen eine Filiale.
CHANCEN FÜR WEIBLICHE FÜHRUNGSKRÄFTE
Aus Sicht weiblicher Führungskraft liefert Top-Sharing einen wichtigen Beitrag zur Gleichstellung von Mann und Frau. Mit dem modernen Teilzeitführungsmodell wird die Work-Life-Balance gefördert. Frauen in Führungspositionen können dank Top-Sharing die Familie besser mit ihrem Berufsleben vereinbaren oder ausserberuflichen Interessen nachgehen. Aus den oben genannten Gründen wird die Arbeitszufriedenheit bei den Führungskräften erhöht, was zu einer höheren Motivation beiträgt. Durch das Fördern der geteilten Führung werden sogenannte Rollenmodelle geschaffen, die als Vorbilder wahrgenommen werden.
FAZIT: WIN-WIN-WIN!
Bei der Einführung von Top-Sharing kann von einer Win-Win-Win-Situation gesprochen werden: Detailhandelsunternehmen gewinnen, indem sie motivierte und engagierte Mitarbeiterinnen weiterbeschäftigen. Frauen gewinnen, indem sie einen spannenden Job mit ihrer Familie vereinbaren. Und die gesamte Branche gewinnt, weil sie mehr attraktive Jobmöglichkeiten bietet, was auch zukünftige Stellensuchende anspricht.