Sebastian Wörwag, die Veranstaltungskalender sind voll von Events zum Thema Digitalisierung. Ist nicht langsam alles gesagt?
Im Gegenteil: In atemberaubendem Tempo durchdringt der digitale Wandel all unsere Lebensbereiche. Hierbei gehen wir mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit mit. Doch zunehmend werden jenseits der Machbarkeitseuphorie auch skeptische Stimmen laut. Wie wird sich das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine entwickeln, wo werden wir entlastet, wo ersetzt? Was können wir immer noch besser als die Algorithmen? Mir scheint die kritisch-konstruktive Auseinandersetzung über die guten Gründe der Digitalisierung aus den verschiedensten Perspektiven essenziell. Insbesondere um den Wandel bewusst mitzugestalten.
Und welche Rolle schreibst Du dabei dem Dosentelefon zu?
Was vor Kurzem als Relikt der Vergangenheit galt, ist plötzlich wieder en vogue. Aktuelle Studienergebnisse zeigen, dass jenseits der Möglichkeiten der Digitalisierung beträchtliche Bedenken spürbar sind und betreffend der Informatiknutzung sogar ein Gegentrend beobachtbar ist. So löschen zum Beispiel immer mehr Menschen ihre Social-Media-Profile, andere verschreiben sich selbst «Offline-Ferien» oder «Digital-Detox-Kuren» oder verzichten gar auf mobile Endgeräte.
Im Zentrum der Veranstaltung stehen bildungsrelevante Fragestellungen. Wo siehst Du als Rektor konkret die Herausforderungen der Digitalisierung für die Bildung?
Für uns als Fachhochschule stellt sich natürlich die Frage, welches Wissen, welche Kompetenzen und Qualifikationen in der Arbeitswelt von morgen gefragt sind, damit unsere Studierenden bestmöglich darauf vorbereitet sind. Ausserdem setzen wir uns damit auseinander, was und wie angesichts der Informations- und Datenflut gelernt werden kann. Viel zu wissen, bedeutet eben noch nicht, (darüber) auch vernünftig (nach)denken zu können.
Und wofür entscheidest Du Dich persönlich: Alles digital oder lieber Dosentelefon?
Für das Beste aus beiden Welten! – Technologie gewinnbringend eingesetzt ermöglicht mir kreative Freiräume und mehr Zeit für das Analoge. Die Hausarbeit beispielsweise überlasse ich gerne den Maschinen zugunsten inspirierender Zeit in der Natur, mit Büchern oder meinen Mitmenschen.