Nervosität – ein Gefühl, das ich als solches eigentlich nicht allzu oft spüre – überkommt mich, als ich das Gebäude betrete, in welchem ich nur Stunden später seine Heiligkeit den 14. Dalai Lama treffen soll. Bis jetzt war der Anlass stets in weiter Ferne. Weit weg von jeglicher Realität. Heute aber ist es soweit. Viele haben mich vorgängig angesprochen und mir gratuliert. Selbst war mir nie so ganz bewusst, was eigentlich auf mich zukommt und welches Glück ich habe. Bis jetzt, in diesem Moment.
Die Zeit vergeht langsam und ich schaue trotzdem immer wieder auf die Uhr. Die Ankunft des Dalai Lama steht erst bevor aber der Saal ist bereits zum Bersten gefüllt. Letzteres ist eigentlich völlig egal. Mich macht nicht das Publikum, sondern der Gast nervös. Und dann, auf einmal, wird es völlig still. Alle erheben sich und mir läuft es erst kalt und dann heiss den Rücken hinunter. Ich sehe noch nichts und doch spüre ich bereits eine gewisse Präsenz. Die Nervosität ist noch da, sogar noch stärker als zuvor. Ich bin weder meine Sorgen los, noch frei von allen Zweifeln aber etwas ist anders. Ich kann nicht genau beschreiben was es ist, aber irgendwie fühlt es sich anders an. Sekunden später betrete ich, wie minutiös geplant, als zweiletzter die Bühne und nehme direkt neben dem Dalai Lama Platz. Erst werde ich von ihm nicht wahrgenommen, dann ganz genau gemustert. Ein kritischer Blick prüft von unten nach oben, wer da neben seiner Heiligkeit sitzt. Als sein Blick meinen trifft wird mir schlagartig bewusst, was mit «der sympathischste Mensch der Welt» eigentlich gemeint ist: Ein Lächeln erscheint aus der sonst nachdenklich wirkenden Miene und springt sogleich auf mich über. Es ist ein ehrliches, herzliches Lächeln. Eines, welches ich sonst nur von vertrauten Menschen in intimen Augenblicken kenne. Es strahlt Zufriedenheit und Glück aus. Viel Glück und viel Zufriedenheit – so wie man es sich für jeden 84-Jährigen wünscht. Ich fühle mich besser. Die Podiumsdiskussion beginnt und ist bald auch schon wieder vorbei. Viel wird gesagt – teils Floskeln, teils einstudiert wirkende Redewendungen, teils tiefgründige Weisheiten. Wenig bleibt aber wirklich hängen – dafür bin ich viel zu absorbiert.