Anne-Isabelle Chagnaud, Dozentin im Bachelor Wirtschaftsinformatik, wäre gerne früher in den Bereich Business Intelligence eingestiegen, musste dafür aber ihr gewohntes Umfeld verlassen und einen Karriereknick in Kauf nehmen. Im Gespräch erfahren wir mehr über ihre Leidenschaft, die Gründe, weshalb Frauen in der IT immer noch in der Unterzahl sind – und was wir dagegen tun können.
Noch immer fehlen die Frauen in der IT-Branche. Doch weshalb? Wir haben bei Dozentinnen aus dem Bachelor Wirtschaftsinformatik HWZ nachgefragt und mehr zum Thema sowie über ihren persönlichen Werdegang erfahren.
Name: Anne-Isabelle Chagnaud
Job, Arbeitgeber: Business Analystin 20 Minuten Advertising, Goldbach Publishing AG
Wohnort: Uitikon
Datenbasierte Entscheidungsvorlagen zu schaffen, finde ich faszinierend – damit kann man ein gutes Bauchgefühl bestätigen, Innovation fördern und verdeckte Potenziale ausschöpfen. Die Datenanalyse ermöglicht so viele Gestaltungsmöglichkeiten und unterstützt die Unternehmensführung und das Management elementar.
Ich habe International Business Administration an der VWA in Stuttgart studiert. Dies im Rahmen der Berufsakademie und als Angestellte der Daimler AG in den Schwerpunkten Finance und Marketing. Insgesamt habe ich zehn Jahre bei der Daimler AG und 2.5 Jahre bei der Mercedes-Benz Schweiz AG in den Marketingfeldern Events, Messen & Sponsoring gearbeitet und meine Berufserfahrung aufgebaut. Danach habe ich mit leitendenden Funktionen bei ewz und Switzerland Global Enterprise ebenfalls im Live- und Experience-Marketing meine Karriere ausgebaut. 2019 habe ich mich für einen Karrierewechsel im Data Umfeld entschieden und den Masterstudiengang in Business Intelligence begonnen. Seit Dezember 2021 bin ich nun als Business Analystin bei 20 Minuten tätig. Nach der Automobil-, Energie- und Export-Branche ist die Medienbranche ein sehr spannendes Feld im digitalen Umbruch und für mich mit meinen neu erlernten Skills eine super Entwicklungschance.
Meine Tätigkeiten im Projektmanagement, 360-Grad-Kommunikationskampagnen und die Handhabung grosser Budgets im Experience Marketing (Events, Messen und Sponsoring) haben meine Datenaffinität stets gefördert. Jedoch fehlt es mir im traditionellen Experience Marketing zum Teil an datenbasierten Entscheidungen.
Anne-Isabelle Chagnaud, Dozentin im Bachelor Wirtschaftsinformatik HWZ
Daher habe ich bewusst eine neue Chance gesucht und dank eines Studienkollegen innerhalb eines CAS den Kontakt und Einblicke bei 20 Minuten erhalten. Meine Leidenschaft war entfacht.
Im September 2021 habe ich meine Dozententätigkeit an der HWZ begonnen und die erste Vorlesung im Rahmen des Bachelor Wirtschaftsinformatik übernommen. In den CAS-Studiengängen, die ich absolvierte, hat mir die Materie und der Austausch sehr viel Freude gemacht. In den Gruppenarbeiten und Präsentationen fand ich das Interagieren immer sehr gewinnbringend und wertvoll. So bin ich gefragt worden, ob ich mit meinem breiten Marketing-Know-how, meinen neu erlernten Fähigkeiten und meiner Begeisterung ein Modul übernehmen möchte, um praxisnah Business Intelligence zu unterrichten.
Anne-Isabelle Chagnaud, Dozentin im Bachelor Wirtschaftsinformatik HWZ
Bisher «Machine Learning» und «Data Analytics Practice / Business Intelligence Practice».
Für mich sind Datenanalyse und Business Intelligence zum einen Kunst und zum anderen das Handwerkzeug der Zukunft. Mit diesem Werkzeug haben die Studentinnen und Studenten die Möglichkeit, in ihren Unternehmen gestalterisch mitzuwirken. Ich hoffe sehr, die Studierenden können das Potenzial in meinen Kursen erfahren und für sich mitnehmen.
Ich glaube, es fehlt noch immer etwas an Mut, Zusprache und kulturellen Freiräumen. Die Schweiz ist und bleibt auch seinen Traditionen sehr treu und die kulturellen Veränderungen sind für meinen Geschmack recht langsam. Leider ist das Feld der Informationstechnologie und der Wirtschaftsinformatiker traditionell eher eine Männerdomäne – warum das so ist, verstehe ich wirklich nicht. Es wird Zeit, diese Themenfelder den jungen Frauen zugänglich und geschmackvoll zu präsentieren. Die Frauen sind in vielen Feldern auf dem «Vormarsch» und der Fachkräftemangel wird das traditionelle Bild hoffentlich bald aufbrechen.
Ich bin davon überzeugt, dass es immer eine gute Mischung der Geschlechter, Kulturen und des Erfahrungshintergründen in einem Team braucht, um schnellen und nachhaltigen Fortschritt zu erzielen und Lösungen zu entwickeln. Frauen haben per se die gleichen Kompetenzen und Voraussetzungen. Sie bringen aber einen anderen Blick auf die Dinge mit und Interagieren anders als Männer. Das kann von immensem Vorteil sein.
Anne-Isabelle Chagnaud, Dozentin im Bachelor Wirtschaftsinformatik HWZ
Indem wir unsere Kinder, Kollegen, Familien und unser Umfeld ermutigen, das zu tun, was Freude macht und Leidenschaft entfacht sowie «veraltete Rollenbilder» hinterfragen. Frauen wie auch Männer sollten als Vorbilder agieren und anderen aufzeigen, dass eine Karriere in diesem Bereich möglich ist. Unabhängig des Geschlechts.
Ich wäre gern früher in den Bereich Business Intelligence eingestiegen. Leider musste ich erst den drastischen Schritt gehen und mein Unternehmen verlassen, um einen Karrierewechsel mit meinem Studium und einem Quereinstieg anzugehen. Viele Unternehmen sind heute noch nicht offen für eine Qualifizierung innerhalb des Unternehmens und die Förderung von Quereinstiegen – das finde ich enttäuschend. Heute kann ich mit Mut und Leidenschaft bei 20 Minuten das machen, was mir Freude macht und da bin ich sehr stolz drauf. Auch wenn es erstmal ein Karriereschritt zurück bedeutete.
Anne-Isabelle Chagnaud, Dozentin im Bachelor Wirtschaftsinformatik HWZ
Dieser Artikel ist als Erstpublikation in den News der HWZ erschienen.