The Future Is Now


Benjamin Knecht | Autor und Jazzstudent HSLU31.01.2019

Am 3. Februar 2019 fand im KKL Luzern zum wiederholten Mal ein Konzert der Big Band der Hochschule Luzern statt. Wie jedes Jahr erarbeitet der Artist in Residence eine Woche lang mit Studierenden ein Programm. Dieses Jahr wird der holländische Komponist Martin Fondse seine Musik der Hoffnung auf die Bühne des Luzerner Saals bringen und erweitert dazu die Big Band um neun Sängerinnen und Sänger.

In zahlreichen Zusammenarbeiten mit jungen Jazz Orchestern an den verschiedensten Orten erarbeitet der niederländische Pianist, Komponist und Bandleader Martin Fondse seit 2016 ein Programm unter dem Titel „The future is now“. In jeder Arbeitsphase mit jedem Ensemble schreibt er ein weiteres Stück zu dieser Suite. Diese Stücke werden jeweils – begleitet von weiteren seiner Kompositionen – uraufgeführt. Im Rahmen des Musikfestivals „Szenenwechsel“ der Hochschule Luzern – Musik führt Fondse das Werk zusammen mit der hochschuleigenen Big Band weiter. Mit seinem Werk möchte er einen musikalischen Hoffnungsträger erschaffen, damit in Zukunft Werte wie Authentizität und persönliche Kommunikation hochgehalten werden. Weil die Stimme unser persönliches, angeborenes Instrument ist, wird sie in der Suite ebenfalls eine tragende Rolle spielen.

 

Viele Musizierende in einem kleinen Raum…

Das Zimmer 101 an der Grabenstrasse in Luzern platzt aus allen Nähten und der Sauerstoff wird knapp, wenn sechzehn Bläser*innen und neun Vokaliste*innen Luft durch ihre Instrumente pumpen.

Nicht zuletzt wegen seiner schieren Grösse wird die Big Band als Sinfonieorchester des Jazz bezeichnet. Doch inwiefern ist dies zu vergleichen?

Wie im klassischen Orchester stellt die Big Band, auch Jazz Orchestra genannt, den grössten regulär gebräuchlichen Klangkörper im eigenen Genre dar.

Big Bands haben seit dem 2. Weltkrieg ihren fixen Platz in der europäischen Jazzlandschaft und sind aus dieser nicht mehr wegzudenken.

Wie die in Deutschland noch existierenden Rundfunk-Big-Bands, gab es in der Schweiz früher die DRS Big Band und heute professionelle Formationen wie das Luzern Jazz Orchestra, das Zürich Jazz Orchestra und das Swiss Jazz Orchestra in Bern. All diese Formationen bestehen oft aus Alumni der Schweizer Hochschulen. Viele Kompositionsstudierenden gründen auch ihr eigenes Jazz Orchestra oder schliessen sich zu Composer-Collectives zusammen.

Die Vielfalt an grossorchestralem Jazz ist heutzutage definitiv auf die Ausbildung in diesem Bereich an den Hochschulen zurückzuführen.

An der Hochschule der Künste in Bern gab es zeitweise sogar zwei Big Bands und auch an der Hochschule Luzern hat sich die Big Band, unter der regulären Leitung von Ed Partyka, zu einem Aushängeschild der Institution entwickelt.

In den letzten Jahren durfte sie Teil von Kollaborationen mit Jörg Achim Keller, Ohad Talmor, Vijay Iyer, Frank Totiller, Oliver Leicht und vielen anderen interessanten und renommierten Musikerinnen und Musikern sein. Zudem sind jedes Jahr mehr als ein halbes Semester und drei Studiotage ausschliesslich dafür reserviert, jungen Komponisten der Hochschule die Möglichkeit zu geben, ihre Kompositionen zu erarbeiten und aufzunehmen.

 

Sich als Einzelner in ein grosses Ganzes einfügen

Auch wenn die Big Band ihren festen Platz im Jazz hat, sind nicht alle Musiker gleichermassen an ihr erfreut. In einer Big Band muss sich jeder Einzelne in ein grösseres Ganzes einfügen, um eine Wand aus Klang und Emotionen zum Publikum zu transportieren. Die Momente, in denen man sich als Solist ausschliesslich auf das Interplay mit der Rhythmsection konzentrieren kann, sind selten. Trotzdem gehören Big Bands zu den wichtigen Lehrinhalten einer Jazz-Hochschule, um den Studierenden Themen wie Intonation, Klangfarben und Zusammenspiel näher zu bringen.

Auch im Musikjournalismus wird der Klangkörper oft als „verkopfter Notenständerjazz“ verpönt.

Komponisten wie Bob Brookmeyer, Jim McNeely, Maria Schneider und andere bekannte Namen sowie die zahlreichen Komponisten, welche in den letzten Jahren mit der Big Band der Hochschule Luzern zusammengearbeitet haben, beweisen uns, dass diese Formation mehr zu bieten hat, als verstaubte Arrangements aus einem Archiv.

Längst verschwinden die Grenzen zwischen Klassik, Jazz, Pop und diversen anderen Genres und finden in den Kompositionen für Jazz Orchestra ihren gemeinsamen Platz.

So lassen uns Komponisten wie Martin Fondse und die Musikerinnen und Musiker der Big Band auf eine reichhaltige Zukunft in der hiesigen Szene hoffen und stärken unsere Vorfreude auf ein spannendes Konzert im KKL Luzern.

 

 

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