Gesucht war der Öko-Mäher


Ruth Wiederkehr | Dozentin für Kultur und Kommunikation Hochschule für Technik FHNW | 21.01.2019

Wie lassen sich Grünflächen ökologisch bewirtschaften? Diese Frage hat sich ein Team von Studierenden im Studiengang Energie- und Umwelttechnik der Hochschule für Technik FHNW in einem Semesterprojekt gestellt. Und eine Antwort gefunden: Schafe sind Öko-Mäher.

 Es war ein sonderbarer Anblick. Im Advent letzten Jahres weidete auf dem Campus Brugg-Windisch zwischen Hauptgebäude 1, Eisbahn, Fonduechalet und Kantonsstrasse eine Herde von vier Ouessant-Schafen. Die bretonischen Zwergschafe sind kleiner als die meisten Schafe und wirken besonders flauschig – und so liess sich die eine oder andere Passantin zu einem «Jö, sind die herzig» hinreissen. Weder von Kommentaren, dem Autoverkehr oder den Käsedüften liessen sich die Schafe jedoch stören. Und auch nicht vom Faktum, dass sie eigentlich Teil eines Versuchs waren.


Die Probe aufs Exempel: Schaf-Logistik

Ein Team von sechs Erstsemestrigen des Studiengangs Energie- und Umwelttechnik an der Hochschule für Technik FHNW wollte wissen: Sind Schafe einfach zu halten? Die Antwort lautet: «Ja». «Schafe brauchen lediglich regelmässig frisches Wasser und einen kleinen Unterstand. Für das Fressen ist mit der Wiese gesorgt», sagt Konrad Emmenegger, der als Projektleiter fungierte und der sich zusammen mit seinen Mitstudierenden beim Kanton und der Campus-Verwaltung für Schafe auf den Wiesenflächen einsetzte. Ein Hobby-Schäfer stellte ihnen die vier Tiere für fünf Wochen zur Verfügung.


Steigerung der Attraktivität

Forschungsauftrag des Projekts, das Teil des Curriculums des Studiums ist, war jedoch nicht die Schaf-Logistik. Für ihren Bericht verglichen die Studierenden den Energieverbrauch und die Kosten verschiedener Rasenmäher für die Rasenfläche auf dem Campus. Dazu gehörten erstens der herkömmliche und fahrbahre Dieselmäher, zweitens ein elektronisch betriebener Robotermäher und drittens die Schafe.
Momentan wird die Fläche im Sommerhalbjahr von einem Gärtnereibetrieb mit Dieselrasenmähern bewirtschaftet. Pro Jahr werden dabei zwischen 20 und 30 Kilogramm CO2 ausgestossen. Ein effizienter Mähroboter, der regelmässig ausschwärmt, könnte mit erneuerbarer Energie betrieben werden, verursacht aber natürlich bei der Herstellung CO2. Die Bewirtschaftung mit den Dieselmaschinen kommt jährlich zudem auf einen höheren vierstelligen Frankenbtrag zu stehen; ein Roboter kostet in der Anschaffung um die 2000 Franken. Hinzu kommen Unterhaltskosten.
Schafe hingegen, so das Argument des Teams, verursachen mit ihrem Dasein auf den FHNW-Weiden keinen zusätzlichen CO2-Ausstoss. Die Fläche könne Schäfern zur Verfügung gestellt werden, die Kosten dabei also tief gehalten werden. «Natürlich ist auch dieses Resultat kritisch zu betrachten: Bei Schafen gibt es nämlich Methan-Ausstoss, der nicht zu missachten ist», sagte Emmenegger anlässlich der Schlusspräsentation des Projekts Mitte Januar. Dennoch: Schafe könnten als Öko-Mäher eingesetzt werden. Der Versuch im Dezember 2018 hat zudem gezeigt, dass Tiere auf dem Campus die Attraktivität des Orts erheblich steigern.

 

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