Führen ohne Ende


Claudio Moro | freier Autor31.05.2018

Maja Husistein ist Chefin eines grösseren Architekturbüros. Für sie steht fest: Fachkompetenz, Lust und Zufall waren wesentlich auf dem Weg dorthin.

«Was ich vermisse, ist das Ende», sagt Maja Husistein. Ihr Blick wendet sich ab, dann ist es kurz still. Die Aussage muss sich setzen. «Es gibt kein Ende in meinem Job. Alles geht weiter.» Weiter ohne Pause. Ohne Abschluss, ohne jenen erlösenden Moment, wenn es heisst: «Geschafft! Projekt abgeschlossen.» Maja Husistein nickt. «Als ich noch operativ tätig war, gab es diesen Moment. Das Gebäude stand. Die Arbeit war getan. Man freute sich. Man war stolz. Zufrieden!»

 

Wieder ist es still. Wenn sich etwas Wehmut einstellen könnte, dann jetzt. Doch Husistein beginnt zu lachen, ein einnehmendes Lachen. Es ist ein derart ansteckendes Lachen, dass man automatisch mitlacht. «Tauschen würde ich trotzdem nicht. Stolz und Zufriedenheit erlebe ich heute genauso. Und ich freue mich täglich auf meine Arbeit.»

 

Maja Husistein ist Architektin FH und seit 2011 Geschäftsführerin von Husistein & Partner, einem Büro für Architektur und Planung in Aarau. Einen Namen machte sich das 2005 gegründete Büro unter anderem mit Konzepten für Orts- und Arealentwicklung sowie mit umsichtigen Lösungen für städtebauliche und denkmalpflegerische Fragestellungen.

 

Die heute 43-Jährige machte ursprünglich eine Lehre als Hochbauzeichnerin. «Ich wollte eigentlich Balletttänzerin werden. Auch in der Musik hätte ich mich gesehen. Doch dann entdeckte ich die Architektur. Mein Vater war Innenarchitekt. In Büchern über den Bauhausstil fand ich eine Ästhetik, die mich ansprach.» Das gestalten, was immer um uns herum ist – das sei damals die Idee gewesen, der sie künftig folgen wollte, erklärt sie rückblickend. Als sie im zweiten Lehrjahr steckte, ging ihr damaliger Lehrbetrieb in Konkurs. «Alle Mitarbeiter verloren ihre Arbeit. Und ich musste eine neue Lehrstelle suchen. Es war eine schwierige Zeit. Ich rief zehn Firmen täglich an. Schliesslich kam ich in einem kleinen Büro unter.» 

 

Dieses kleine Büro zählte fortan drei Personen, zwei Architekten und sie. «Ich bekam dort sehr viel mit. Waren die zwei Chefs nicht da, stand ich gegen aussen Rede und Antwort.» Sie machte dort Erfahrungen, die weit über das hinausgingen, was angehende Hochbauzeichner lernen mussten. «Das war ein Riesenglück. Es führte mir vor Augen, welche Leistungen insgesamt zu erbringen sind.» Ein Jahr nach Lehrabschluss wechselte Husistein fürs Architekturstudium an die HTL in Brugg-Windisch (heute: FHNW). «Im Studium machte ich einen grossen Sprung nach vorne – vor allem methodisch. Das Studium war ein Nährboden.» Mit 24 Jahren hatte sie ihre Vision umgesetzt: Sie war Architektin. Sie fühlte sich bereit, Verantwortung zu übernehmen. «Das ‹Päckli› stimmte. Ich hatte gelernt, alleine zu laufen.»

 

Die Aargauerin ist eine Macherin. Sie packt an, sie bleibt dran, sie entscheidet und sie handelt. Geleitet wird sie von einem starken Vorwärtsdrang. «Wenn ich früher ein Gebäude entwarf, wartete ich nicht auf eine Eingebung. Gute Lösungen sind mit methodischem Arbeiten verbunden.» Diese Arbeitshaltung komme ihr in ihrer Rolle als Chefin entgegen, ist sie überzeugt. «Ausserdem ist mein Fachwissen wichtig. Es gilt, das Geschäft der Architektur und die Bedürfnisse aller Beteiligten zu verstehen.» Die Berufslehre, das HTL-Studium und die vielen Praxisjahre waren eine optimale Vorbereitung darauf. 

 

«Es war der richtige Weg für mich», bestätigt sie. Und: «Ich habe viel ‹on the job› dazugelernt. Das ist heute noch so.» Darüber hinaus werde sie von kompetenten Mitarbeitern unterstützt. «Darauf baue ich. Ich muss nicht alles im Detail durchschauen. Ich darf das grosse Ganze nicht aus den Augen verlieren.» Und wieder ist es da, das einnehmende Lachen.

 

Dieser Beitrag wurde als Erstpublikation im Magazin INLINE Mai 2018 veröffentlicht.

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