Die DÜV – Sprungbrett und Auffangnetz für Jungabsolvent*innen


Madlaina Caflisch | FH-Absolventin Mitglied DÜV26.02.2021

Der Sprung in die Berufswelt fällt wohl niemandem leicht. Aber was ist, wenn man sich für einen Beruf ausbildet, für den es in der Schweiz keine Festanstellungen gibt?

Den meisten Studierenden des Studiengangs Master in Angewandter Linguistik mit Vertiefung Konferenzdolmetschten an der ZHAW ist wohl schon zu Beginn des Studiums klar, dass sie sich als Konferenzdolmetscher*innen früher oder später selbstständig machen müssen, wenn sie diesen Beruf ausüben wollen. Und tatsächlich hat die Idee, seine eigene Chefin zu sein und sich seine Zeit selbst einteilen zu können, durchaus etwas Verlockendes. Doch hat man das Diplom erst einmal in der Hand und befasst man sich konkret mit dem Schritt in die Selbstständigkeit, tauchen plötzlich viele Fragezeichen auf. Wo muss ich mich als Selbstständigerwerbende anmelden? Wie funktioniert das mit der Ausgleichskasse? Und wie ist das jetzt mit der aufgrund von Corona veränderten Ausgangslage für Dolmetscher*innen?


Unterstützung vom Berufsverband

Da kommt ein Berufsverband wie die Dolmetscher- und Übersetzervereinigung (DÜV) wie gerufen. 1951 von Absolventinnen und Absolventen der damaligen Dolmetscherschule Zürich (DOZ) gegründet, zählt die DÜV heute gut 250 Mitglieder und setzt sich u.a. für die Interessen des Berufsstandes sowie die Vernetzung der Mitglieder ein. Gerade diese beiden Aspekte schienen mir als Jungdolmetscherin besonders wichtig, um in der freien Wildbahn meinen Platz zu finden. Schliesslich ist die Wildnis nicht nur befreiend, sondern auch sehr weitläufig und manchmal sogar gefährlich. Mit einem Berufskodex und Tipps und Tricks zum Berufsalltag hilft die DÜV ihren Mitgliedern, sich im Gewirr von administrativen Pflichten, verlockenden aber unethischen Angeboten und – aus aktuellem Anlass – den verschiedenen Bedingungen für Corona-Hilfen zurechtzufinden. Mit regelmässigen Updates zu aktuellen Themen, Weiterbildungen und Mitgliederanlässen können sich die Übersetzer*innen und Dolmetscher*innen so auf dem Laufenden halten und auch unter sich austauschen. Letzteres ist für mich als Jungabsolventin interessant, da doch gerade die guten aber auch schlechten Erfahrungen von etablierteren Kolleginnen und Kollegen besonders wertvoll sind. Um den Neulingen diesen spezifischen Austausch zu ermöglichen, hat die DÜV ausserdem einen sog. Patenpool ins Leben gerufen, wo sich Jungabsolventinnen und -absolventen mit Patinnen und Paten treffen können, die als Anlaufperson für alle möglichen Fragen zur Verfügung stehen.


Aufträge und Netzwerk

Aber die DÜV organisiert nicht nur leckere Apéros, sie betreibt auch eine Agentur, über welche den Dolmetscher*innen und Übersetzer*innen Aufträge vergeben werden. So hatte auch ich nur ein Jahr nach meinem Abschluss bereits das Glück, über die Agentur an regelmässige Aufträge zu gelangen, wo ich nicht nur viel Berufserfahrung sammeln kann, sondern auch immer wieder neue Kolleginnen kennenlerne und sich mein Netzwerk somit stets erweitert. Und schliesslich vergibt die DÜV jedes Jahr ihren Excellence-Award für ausgezeichnete Masterarbeiten im Bereich Übersetzen und Dolmetschen. Der mit 1'800 Fr. dotierte Preis ist für Selbstständige wie mich, die gerade erst Fuss fassen, natürlich ein willkommener Zustupf und eine schöne Anerkennung der geleisteten Arbeit.

Die Dolmetscher- und Übersetzervereinigung ist für mich als Jungabsolventin also ein Sprungbrett in die Arbeitswelt und gleichzeitig ein Auffangnetz mit hilfsbereiten Kolleginnen und Kollegen, die einen stützen, sollte die Landung mal nicht perfekt sein. 


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