Angestellte in der Schweiz bereiten sich auf die Herausforderungen der Zukunft vor


Michael Grampp | Chefökonom & Leiter Research Deloitte | 25.01.2019

Die arbeitenden Menschen in der Schweiz sind sehr zufrieden. Das zeigt eine Vergleichsstudie von Deloitte mit zehn Ländern. In der Schweiz hat es aber auch viele Weiterbildungsmuffel – eine Herausforderung für Unternehmen und Betroffene gleichermassen.

Mit niedriger Arbeitslosigkeit, hohen Löhne und gut qualifizierten Arbeitskräften ist der Schweizer Arbeitsmarkt in guter Verfassung. Allerdings stehen noch einige Bewährungsproben an. Der Megatrend Digitalisierung erfordert ständig neue Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt. Karrieren verlaufen nur noch selten lebenslang linear; stattdessen dynamisch, mehrstufig und multidimensional – und dadurch wird es anspruchsvoller, die eigene Arbeitsmarktfähigkeit langfristig zu erhalten. Wegen der demographischen Entwicklung und der Überalterung der Gesellschaft müssen bisher nicht ausgeschöpfte Arbeitspotenziale besser genutzt werden – daran führt kein Weg vorbei. Konkret sind damit Frauen, Teilzeitkräfte und ältere Beschäftigte gemeint.

 

Um zu verstehen, wie gut Erwerbstätige auf diese Arbeitsmarktentwicklungen vorbereitet sind, hat Deloitte eine internationale Befragung in zehn europäischen Ländern (siehe Box), darunter der Schweiz, geführt. Schwerpunkte der Befragung waren die Bedürfnisse, Einstellungen und Motivationsfaktoren der Arbeitnehmenden im Berufsleben.

 

Hohe Arbeitszufriedenheit in der Schweiz

Die Umfrage hat gezeigt, dass Schweizer Erwerbstätige im Vergleich zu allen anderen Ländern die höchste Arbeitszufriedenheit aufweisen. Entgegen gängigen Ansichten sind ältere Arbeitnehmer gemäss unseren Ergebnissen generell motivierter als jüngere. Die Motivationsfaktoren unterscheiden sich je nach Altersklasse: So sind Entlohnung und Jobsicherheit für die Unter-35-Jährigen viel wichtiger als für Über-55-Jährige. Für Letztere sind intrinsische Faktoren wie eine sinnstiftende Arbeit und die Übereinstimmung der Tätigkeit mit persönlichen Werten von grösserer Bedeutung.

 

Im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern hat die Schweiz den tiefsten Anteil an Vollzeit- und den höchsten Anteil an Teilzeit-Angestellten. Nichtdestotrotz: Gefragt nach ihrem bevorzugten Arbeitsmodell geben nur 38% der Befragten in der Schweiz an, dass sie Vollzeit arbeiten wollen, 62% würden ein nicht traditionelles Arbeitsmodell wie Teilzeit, Selbständigkeit, Freelancing oder eine Mischform von angestellt und selbstständig (Portfolio-Karriere) favorisieren.

 

Im Vergleich zum Status quo verliert Vollzeit als Arbeitsmodell gegenüber allen anderen Arten also an Attraktivität – und sowohl für Frauen als auch für Männer. Das heisst für Unternehmen, dass sie verstärkt alternative Arbeitsmodelle zur klassischen Vollzeit anbieten sollten.

 

Weiterbildung ernster nehmen

Befragt nach Weiterbildung jeglicher Art sagten 30%, dass sie sich in den letzten 12 Monaten nicht weitergebildet haben – ein hoher Wert über dem europäischen Durchschnitt. Gründe dafür sind hauptsächlich die nicht vorhandene Notwendigkeit, die fehlende Zeit sowie fehlende Beratung wo man sich weiterbilden sollte. Dies sind allerdings alles Selbsteinschätzungen. Die Unter-35-Jährigen sehen vor allem zu wenig Zeit und kein unterstützendes Arbeitsumfeld als Hindernisse für Weiterbildungen. Es fällt auf, dass ältere Arbeitsnehmende im Vergleich zu den jüngeren tendenziell weniger Lernbarrieren haben.

 

Die Tendenz bei der Finanzierung und Bereitstellung von Weiterbildungsmöglichkeiten ist eindeutig: Die Eigenverantwortung nimmt ab, der Staat soll sich nach Meinung der Befragten vermehrt darum kümmern. Dieses Ergebnis stimmt nachdenklich, denn die Teilnahme an Weiterbildungen sowie lebenslanges Lernen werden zu entscheidenden Erfolgsfaktoren für Arbeitnehmende, da die Digitalisierung ständig neue Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt erfordert.

 

Lebenslanges Lernen wichtiger denn je

Arbeitgebern und Arbeitnehmenden muss bewusst sein, dass aufgrund der immer kürzer werdenden Halbwertszeit ihrer Fähigkeiten und ihres Wissens kontinuierliches Lernen essentiell ist, um ihre Arbeitsmarktfähigkeit zu erhalten oder auszubauen. Einerseits müssen Arbeitnehmende lernen, ihre Karriere selbst in die Hand zu nehmen. Anderseits sind Arbeitgeber gefordert, ihre Mitarbeiter zu sensibilisieren, zu unterstützen und Weiterbildungen aktiv zu fördern.

Um die Stimme der Arbeitnehmenden zu erfassen, befragte Deloitte im August 2018 15’000 Personen aus zehn europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Polen, Rumänien, Spanien, Schweden, Schweiz und Grossbritannien). In der Schweiz wurden 1’000 Personen befragt. Die Teilnehmenden zählten alle zur aktiven Erwerbsbevölkerung (d.h. entweder erwerbstätig oder aktiv auf Arbeitssuche) und waren mindestens 25 Jahre alt.

 

Für die vollständige Studie siehe www.deloitte.ch

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